Dr. Jan Gerd Wilkens – Leitung Benutzungs- und Informationsdienste, Bibliotheks- und Informationssystem der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Beruflicher Hintergrund & Werdegang.
Meine ersten Bibliothekserfahrungen habe ich als Kind und Jugendlicher in unserer Dorfbücherei gemacht. Dort habe ich nicht nur Bücher, CDs und Kassetten ausgeliehen, sondern war auch viele Jahre ehrenamtlich aktiv. Trotzdem hatte ich lange nicht den Berufswunsch, Bibliothekar zu werden. Dies hat sich erst im Laufe meiner Zeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter geändert.
Zu der Zeit war ich u.a. für die Vermittlung von Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens zuständig und es entwickelte sich eine sehr enge Zusammenarbeit mit den für mein Fach zuständigen Bibliotheksmitarbeiterinnen. Dadurch konnte ich die Arbeit in Wissenschaftlichen Bibliotheken bereits ein wenig kennenlernen. Direkt im Anschluss an meine Promotionsstelle wurde ich Referendar an der Universitätsbibliothek Marburg; und zwei Jahre später Leiter der Benutzungsabteilung an der Universitätsbibliothek Clausthal. Seit dem 1. Oktober 2025 leite ich die Abteilung Benutzungs- und Informationsdienste am BIS Oldenburg.
Durch das Referendariat habe ich die Chance erhalten, sowohl alle Arbeitsbereiche einer modernen Wissenschaftlichen Bibliothek kennenzulernen als auch in einigen Bereichen selbst Aufgaben und Verantwortung zu übernehmen. Außerdem haben sich die Kolleg:innen viel Zeit genommen, um mir ihr Wissen weiterzugeben. Ergänzt wurde dieser vornehmlich praktische Ausbildungsteil durch das Studium am IBI in Berlin sowie durch zwei Praktika an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel sowie an der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek in Dresden, wo ich ebenfalls sehr viel gelernt habe.
Hier mehr über das BIS – Bibliotheks- und Informationssystem Oldenburg erfahren.
Bildnachweis Beitragsbild Dr. Jan Gerd Wilkens: © Dr. Jan Gerd Wilkens
Persönliche Erfahrungen
An meiner Arbeit in der Bibliothek schätze ich am meisten die Vielfältigkeit der Aufgaben und die Gestaltungsmöglichkeiten, die wir in der Benutzungsabteilung haben. Wir müssen unsere Angebote stets weiterentwickeln und bereit sein, die Bibliothek und ihre Gestaltung immer wieder neu zu denken. Dabei gilt es, aufmerksam für das sein, was sich unsere Nutzer:innen wünschen, und sie im Idealfall auch einmal mit einer guten Idee zu überraschen.
Daneben habe ich besonders viel Freude am Austausch mit Kolleg:innen, um von neuen Ideen und Vorhaben zu erfahren, sich gegenseitig zu inspirieren oder auch gemeinsam Probleme zu besprechen, bspw. auf der Bibliocon bzw. dem Bibliothekskongress, aber auch auf kleinen Konferenzen.
An der Organisation zweier Konferenzen bin bzw. war ich beteiligt. 2025 hat die Universitätsbibliothek Braunschweig gemeinsam mit der Universitätsbibliothek Clausthal, an der ich zu der Zeit beschäftigt war, die Konferenz der Benutzungsleitungen des GBV organisiert. In diesem Jahr findet sie an der Landesbibliothek Oldenburg statt und wird von der Landesbibliothek, der Bibliothek der Jadehochschule und dem BIS Oldenburg organisiert.
In besonders guter Erinnerung ist mir auch die Nacht der Bibliotheken, die wir in Clausthal gemeinsam mit den Kolleg:innen der Stadtbibliothek Clausthal durchgeführt haben. Die Resonanz war ausgesprochen gut und wir hatten einen sehr schönen Tag.
Sinnstiftung & Mehrwert.
Als Bibliothek sind wir eine der wenigen Einrichtungen an der Universität, die für alle ihre Angehörigen, ob Studierende oder Mitarbeitende, gleichermaßen von Bedeutung ist. Das ist nahezu ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem sind wir ein Ort, der von Personen genutzt wird, die nicht der Universität angehören.
All unseren Nutzenden einen für ihre Bedarfe passenden Raum zur Verfügung zu stellen, um bspw. gemeinsam bzw. alleine zu arbeiten oder sich zu treffen, ist eine wichtige Aufgabe der Benutzungsabteilung.
Hinzu kommen Führungen oder auch Schulungen, z.B. in den Bereichen Open Access und Digital Humanities, oder auch Ausstellungen, die von den Mitarbeiter:innen der Bibliothek angeboten werden. Diese Vielfalt der Aufgaben und ihre Bedeutung für viele Menschen empfinde ich persönlich als sehr bereichernd.
Empfehlungen.
Bibliotheken bieten ein kreatives und offenes Umfeld, in dem man viele abwechslungsreiche und sinnstiftende Aufgaben übernehmen kann, ganz den eigenen Neigungen entsprechend. Was alle Aufgaben miteinander vereint, ist die Motivation, für unsere Nutzenden passende Services anzubieten. Diese müssen auf der einen Seite verlässlich sein. Auf der anderen Seite müssen wir auch immer wieder neue Angebote entwickeln, sei es eine Bibliothek der Dinge oder ein zeitgemäß gestalteter Lernraum. Diese Kombination empfinde ich als sehr reizvoll.
Wer sich für die Arbeit in einer Bibliothek interessiert, sollte sich am besten an eine Bibliothek vor Ort wenden und mit den Kolleg:innen dort ins Gespräch kommen. Diese werden sicherlich sehr gerne über ihre Erfahrungen und ihren Beruf berichten.
Was man in jedem Fall mitbringen sollte, ist die Bereitschaft zur Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit. Beides ist essentiell für die erfolgreiche Arbeit in einer Bibliothek. Wir sind ein großes Team von Spezialist:innen, das einander braucht, um unsere Services anbieten und neu entwickeln können.
Entwicklungen & Zukunftsaussichten.
Die Zukunft der Bibliotheksarbeit wird weiterhin davon gegrägt sein, immer vielfältiger zu werden. Es kommen immer schneller immer mehr neue Aufgaben auf uns zu. Gleichzeitig müssen wir relevante Services weiterhin aufrecht erhalten – aber auch alte Zöpfe abschneiden. Seit einigen Jahren beschäftigt uns das Thema Künstliche Intelligenz sehr, aber auch die immer bedeutender werdende Rolle der Bibliotheken als soziale und demokratische Orte. Nur in Bibliotheken trifft sich die ganze Gesellschaft, ob jung, ob alt, ob arm, ob reich, unabhängig von Herkunft und Bildungsgrad oder auch finanziellen Möglichkeiten. Es gibt keine andere Institution, an der dies so möglich ist wie in einer Bibliothek. Unsere Nutzenden wissen das, nur vielen politischen Entscheidungsträgern fehlt leider häufig das Wissen über die wichtige Arbeit von Bibliotheken über das Verleihen von Medien hinaus. Wir sind eben „viel mehr als nur das Haus mit Büchern“, wie ein ehemaliger Kollege von mir immer sagt.
Bibliotheken bieten ein kreatives und offenes Umfeld, in dem man viele abwechslungsreiche und sinnstiftende Aufgaben übernehmen kann, ganz den eigenen Neigungen entsprechend. Was alle Aufgaben miteinander vereint, ist die Motivation, für unsere Nutzenden passende Services anzubieten. Diese müssen auf der einen Seite verlässlich sein. Auf der anderen Seite müssen wir auch immer wieder neue Angebote entwickeln, sei es eine Bibliothek der Dinge oder ein zeitgemäß gestalteter Lernraum. Diese Kombination empfinde ich als sehr reizvoll.


