Franziska Neudeck – Assistentin der Geschäftsführung, Deutscher Bibliotheksverband e.V. (dbv)
Beruflicher Hintergrund & Werdegang.
Vielleicht ist es der Klassiker schlechthin, doch begeistern mich Bücher seitdem ich die Welt der Buchstaben durch das Lesen-lernen für mich entdecken durfte. Ich fand es schon als Kind spannend, regelmäßig mit meinen Eltern die Bibliothek in unserem Kiez aufzusuchen, um die Regale nach neuem Lesestoff zu durchstöbern. Ich liebte diesen Ort: Die Menschen, den Geruch und die vielen Dinge, die es auch neben Büchern zu entdecken gab.
Im Rahmen meines Schülerpraktikums in der damaligen Wirtschaftswissenschaftlichen Dokumentation der TU-Bibliothek Berlin konnte ich neben dem Sammeln erster eigener Erfahrungen in der Bibliothekswelt vor allem endlich wissenschaftliche Bibliotheken und deren Arbeitsstrukturen kennenlernen.
Nach der FaMI-Ausbildung in einer kleinen wissenschaftlichen Spezialbibliothek und im Anschluss zwei Jahren als Leiterin der dortigen Zeitschriftenstelle entschied ich mich für die Fernweiterbildung „Bibliotheksmanagement“ an der FH Potsdam. In insgesamt 4,5 Jahren war es mir berufsbegleitend möglich, den Bachelortitel zu erwerben. In dieser Zeit bekam ich gleichzeitig die Chance, zwei Jahre außerhalb der Bibliothekswelt im Staatssekretärinnenbüro tätig zu sein. Was im ersten Moment häufig Stirnrunzeln hervorruft, eröffnete mir die Möglichkeit, mich nochmal auf ganz anderen Ebenen weiterzuentwickeln. Von großer Relevanz waren nunmehr insbesondere politisches Verständnis, schnelle Auffassungsgabe, Reflexionsfähigkeit und Flexibilität – auch in Stresssituationen. In dieser Zeit bin ich persönlich sehr gewachsen und konnte dank des kurzen Perspektivwechsels mein bisheriges Berufsleben reflektieren, um Bibliotheken ganzheitlicher wahrzunehmen. Schlussendlich bewegte mich dies dazu, nach einem kurzen Abstecher als Bibliothekarin an der UB der FU Berlin, seit 2019 als Assistentin der Geschäftsführung beim Deutschen Bibliotheksverband ganzheitlich meinen Beitrag für Bibliotheken in Deutschland zu leisten.
Diese Mischung aus Innen- und Draufsicht auf die Bibliothekswelt in den letzten fast 20 Jahren prägt mich bis heute und hat meine Wertschätzung für dieses Berufsfeld stets steigern können.
Hier mehr über den Deutschen Bibliotheksverband e.V. (dbv) erfahren.
Bildnachweis Beitragsbild Franziska Neudeck: © Franziska Neudeck
Persönliche Erfahrungen
Am meisten schätze ich bis heute die Arbeit mit Menschen. In den Anfängen meiner Bibliothekslaufbahn war ich tatsächlich überrascht wie viele Interaktionen auch in wissenschaftlichen Bibliotheken stattfinden. Insbesondere in meiner Zeit an der UB der FU Berlin konnte ich im Rahmen von individuellen Coachings Studierenden zum Rechercheerfolg für Haus-, Bachelor- oder Masterarbeiten verhelfen. Diese Erfolgserlebnisse stattfinden zu lassen bzw. – ganz allgemein – Menschen auf verschiedenen Ebenen glücklich zu machen, ist für mich das Besondere an der Arbeit in Bibliotheken. Ich habe jeden Tag mit einem guten Gefühl den Feierabend einläuten können.
Als besonders wertvoll empfand ich, nach meiner Ausbildung die Chance zu erhalten, selbst Auszubildende auf ihrem Weg zu begleiten und für die Bibliotheksarbeit zu begeistern. Allgemein zu sehen, wie viele Menschen sich für einen Beruf im Bibliotheksbereich interessieren, ist toll! Zu erleben, wie viele Facetten Bibliotheken haben und welche beruflichen Einstiegschancen es für verschiedene Qualifikationen gibt, zeigt, wie sich diese Institutionen stetig weiterentwickeln. Stillstand gibt es nicht.
Während meines ersten Jahres nach der Ausbildung wurde ich zusammen mit einer Kollegin betraut, einen elektronischen Zeitschriftenumlauf einzuführen. Hierzu tauschten wir uns mit Kolleg*innen anderer kleiner Spezialbibliotheken aus, um einen Workflow zu entwickeln. Diese Gespräche empfand ich als besonders wertvoll. Bereits in wenigen Wochen hatten wir auf diese Weise ein Konzept erarbeitet, das es uns ermöglichte nach Einführung nur noch wenige Änderungen am Ablauf vornehmen zu müssen.
Sinnstiftung & Mehrwert.
Bibliotheken empfinde ich stets als einen sicheren Hafen für alle Menschen. Bibliotheken bewerten nicht. Sie begleiten Menschen beim Lernen, Forschen und Wachsen – sei es durch Literatur, digitale Medien oder persönliche Beratung.
Bibliotheken leisten damit einen vielschichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Sie stehen ganzheitlich für soziale Integration, Demokratie und Meinungsfreiheit, Bildungsgerechtigkeit, kulturelle Vielfalt und digitale Teilhabe.
Empfehlungen.
Für mich ist es bis heute immer wieder faszinierend, dass es so viele unterschiedliche Wege gibt, sich in sowie für Bibliotheken zu engagieren. Dies spiegelt gleichzeitig die Vielfalt wieder, die Bibliotheksangebote ausmachen. Jede Person, egal ob Quereinsteiger*in, eingefleischte*r Katalogisierer*in oder Veranstaltungsprofi: sie alle machen Bibliotheken zu dem was sie sind. Jedes dieser Zahnräder repräsentiert und produziert die Vielfalt im Rahmen wertschätzender Arbeit für und mit den Menschen. Bibliotheken machen deutlich, dass es nicht den einen Bildungsweg gibt. Vielmehr „kann jede*r Bibliothek“, solange die Leidenschaft für dieses Berufsfeld – auf welcher Ebene auch immer – vorhanden ist und die Menschen im Vordergrund stehen. Wie sagte schon David Lankes: „All libraries are about community, […] that is just librarianship.“.
Entwicklungen & Zukunftsaussichten.
Gerade in diesen bewegten Zeiten setzen Bibliotheken einmal mehr ein Zeichen und verdeutlichen, dass sie jede*n willkommen heißen. Sie stehen sowohl personell als auch in Hinblick auf ihre Zielgruppen für Offenheit & Vielfalt.
Gesellschaftlich sowie technisch sind Bibliotheken Teil des stetigen Wandels. Ich denke, besonders das Thema Künstliche Intelligenz wird primär zunehmend relevanter werden (bzw. ist es schon) und die Arbeitsweise, Strukturen sowie die Interaktion mit den Menschen nachhaltig prägen. KI (hier: Microsoft Copilot) nennt beispielsweise die folgenden Schwerpunkte zur Zukunft der Bibliotheksarbeit:
- Digitalisierung und digitale Medien (Bibliotheken als digitale Wissenszentren)
- Bibliotheken als Lern- und Innovationsorte (Ausbau Dritter Ort)
- Einsatz von KI und Automatisierung (Katalogisierung, Recherche, Beratung)
- Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung (Inklusion, digitale Teilhabe)
- Neue Rollen für Bibliothekar*innen (z.B. Informationscoach, Community-Manager, Medienpädagoge)
Entgegen der vehementen Empfehlung meiner damaligen Berufsberaterin, die meinte, mit Abitur müsse man unbedingt studieren, entschied ich mich für die duale Ausbildung als FaMI. Die Aussicht, in einer Bibliothek arbeiten zu können und gleichzeitig Geld zu verdienen – das erste eigene Geld – bewog mich, mich (zunächst) trotz aller äußeren Einflüsse gegen ein Studium auszusprechen. Diesen Bildungsweg würde ich jederzeit wieder wählen, denn die Praxiserfahrung ermöglichte es mir, den Bachelortitel später deutlich bewusster für mich annehmen zu können.




