Yvonne Voigt – Infoteam, Staats- und Universitätsbibliothek Bremen
Beruflicher Hintergrund & Werdegang.
Nach dem Abitur wollte ich gerne etwas mit Literatur studieren und empfand die Chancen mit Germanistik oder Linguistik als zu niedrig, so dass ich, durch einen absoluten Zufall, auf den Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement an der HAW Hamburg gestoßen bin.
Schon als Kind habe ich viel Zeit in der Bibliothek verbracht und mir unzählige Bücher ausgeliehen. Also dachte ich: Hey, das ist ein Studiengang mit Büchern. Nehme ich.
Das war, wie es sich bei Studiumstart heraus gestellt hat, sehr klein gedacht.
Und das ist auch etwas, das sich irgendwie durch den gesamten Berufszweig zieht. Bibliotheken und ihre Mitarbeitenden werden sehr klein gedacht. Aber dazu später mehr.
Ich habe dann von 2010 bis 2014 an der HAW Hamburg studiert und mit einem Bachelor of Science abgeschlossen. Anschließend bin ich direkt in der Staats- und Universitätsbibliothek Bremen im Infoteam gelandet. Dort bin ich seit Dezember 2014 beschäftigt. Nicht, weil ich zu bequem zum Wechseln der Arbeitsstelle bin. Nein. Meine Stelle in der SuUB im Infoteam bietet mir genau das, was ich in meinem Arbeitsalltag benötige:
Jeden Tag neue Herausforderungen, Interaktionen mit Nutzenden und viel kreative Arbeit.
Und da kann ich den Punkt aufgreifen „Wir werden klein gedacht.“.
Jedes Mal, wenn ich erzähle, dass ich Bibliothekarin bin und dies studiert habe, kommt die Rückfrage: „DAS muss man studieren? Du leihst doch nur Bücher aus.“
Und jedes Mal muss/will/darf ich erklären, was ich tue und das ich tatsächlich mit dem Medium „Buch“ wenig bis gar nichts zu tun habe (auch so ein Trugschluss meiner Gedanken vor dem Studium). Ich bediene jeden Arbeitstag eine andere Rolle: Quellenfinderin und -bewerterin, Video-Cutterin, Synchronsprecherin, Entertainerin, Sherlock, Spieleentwicklerin und so vieles mehr. Und das ist eine Sache, die ich an meinem Job liebe: ich kann jeden Tag neu entscheiden, was ich machen will. Deshalb schätze ich meine Bibliothek auch so, weil ich dort so viele Freiheiten habe, um genau das zu sein, was ich brauche und will.
Hier mehr über die Staats- und Universitätsbibliothek Bremen erfahren.
Bildnachweis Beitragsbild Yvonne Voigt: © Yvonne Voigt
Persönliche Erfahrungen
Hier könnte ich so viele Dinge aufzählen.
Neben dem, dass wir so viele unterschiedliche interaktive Schulungsmethoden ausprobieren und nutzen dürfen, genieße ich es, mir immer wieder Formate und Umsetzungen ausdenken zu können.
Die Schulungen für unsere Zielgruppen müssen ähnlich flexibel wie unsere Zielgruppen sein. Und mittlerweile haben wir, neben der Schnitzeljagd mit Actionbound, Videotutorials, ein Escape Game als allgemeine Bibliothekseinführung entwickeln dürfen.
Das Spiel vereint unsere Kerninhalte von Schulungen: die räumliche Orientierung, das Recherchieren im Bibliothekskatalog, das Einloggen in Bibliothekskonto sowie das Verständnis für die Nutzung des Bibliothekskataloges.
Es ist spielbar für heterogene Gruppen mit bis zu 30 Teilnehmenden innerhalb von 60 bis 90 Minuten.
Das durften meine Kollegin Giulia Stella und ich eigenständig entwickeln und in unseren Schulungszirkel inkludieren und mittlerweile sind wir damit so „bekannt“ in der Bibliotheksbranche, dass wir Workshops geben, ein Netzwerk zu Escape Games in Bibliotheken gegründet und in der Bibliothek-, Forschung und Praxis veröffentlicht haben.
Derzeit sitzen wir an einer Eventversion für den Bereich MINT und zu dem bearbeiten wir gerade unsere Schulungskonzepte um Selbstlkernkurse online anzubieten.
Sinnstiftung & Mehrwert.
Da die Informationsflut eher größer und undurchsichtiger wird, sehe ich uns in der Rolle, den Menschen, die Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten um in diesem Informationsdschungel gut und unbeschadet durchzukommen. Die Bewertung der erhaltenen Informationen ist dabei ein zentraler Aspekt.
Dass wir, allen gleichberechtigt, die Möglichkeit bieten, den Zugang zu Wissen, Informationen und deren Handhabung zu erhalten.
Dass wir den Überblick, so gut es eben möglich ist, behalten, so dass sich unsere Nutzenden darauf verlassen können, dass wir Ihnen die Unterstützung leisten, die sie im Umgang mit Informationen und deren Bewertung benötigen.
Empfehlungen.
Der Arbeitsbereich „Bibliothek“ ist so dermaßen vielfältig, dass es für jeden einen Platz gibt. Ob einen ruhigen Bereich ohne Kundenkontakt, genauso wie das Kontrastprogramm mit vielen Menschen und kreativer Freiheit. Bislang ist mir kein Berufszweig bekannt, der so vielen Talenten eine Bühne bieten kann.
Und auch hier ist das Team das große Schlagwort!
Denn wo es Defizite gibt, gibt es immer jemanden, der dieses auffangen kann. Viele ergänzen sich und durch stetigen Austausch bleiben alle weitestgehend auf dem neusten Stand.
Interne und externe Austauschformate sind das A und O.
Daher: Jeder hat ein Talent, das die Bibliothekswelt braucht!
Entwicklungen & Zukunftsaussichten.
Bibliotheken sind einfach nicht wegzudenken, da sie ja nicht nur Wissensspeicher, sondern eben auch Datenmanager:innen sind. Ich verstehe uns als Menschen, die zumindest eine Idee haben mit dieser Informationsflut umzugehen.
Daher ist natürlich die verantwortungsvolle Arbeit mit KI ein wichtiger Meilenstein in der Branche. Genauso wie den Zielgruppen diesen verantwortungsvollen Umgang zu vermitteln. Künftig wird die SuUB hierzu Onlinekurse und Tutorials anbieten, um auch hier den Zielgruppen den Umgang mit den für sie entsprechend relevanten KI-Systemen zu lehren und die für sie relevanten Tools effizient nutzen zu lernen.
Ebenso sind wir viel auf öffentlichen Events (Explore Science, Jugend forscht, etc.) vertreten, um die Zielgruppen schon möglichst früh für Bibliotheken und deren Vielfältigkeit zu begeistern, Schwellenängste abzubauen und den Nutzen zu verdeutlichen.
Jeder hat ein Talent, das die Bibliothekswelt braucht!







