Lara Senst – Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin
Beruflicher Hintergrund & Werdegang.
Nach dem Abitur wusste ich gar nicht, was ich werden wollte. Ich versuchte zunächst ein Studium und arbeitete in Aushilfsjobs. Nach einiger Zeit bemerkte ich durch die Arbeit in einem Supermarkt, dass ich gerne Menschen bei ihren Fragen half. Mir machte es auch großen Spaß, eine Tätigkeit praktisch zu erlernen, also learning by doing. So entschied ich mich für eine Ausbildung.
Aber welche sollte es werden? Es gibt einen bunten Blumenstrauß an unterschiedlichsten Ausbildungen. Ich las mir also einige Ausbildungsbeschreibungen durch und blieb schließlich bei der „Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste“ hängen. Teilweise auch, weil zu diesem Zeitpunkt eine gute Freundin von mir genau die gleiche Ausbildung absolvierte.
Ich hatte zunächst gar keine Erwartungen an den Beruf. In der Vergangenheit hatte ich privat keine große Bindung zu Bibliotheken. Ich wusste, dass man sich dort Bücher und DVDs ausleihen kann, aber mehr wusste ich nicht. Umso überraschter war ich, als ich anfing, den Beruf zu erlernen. Hinter einer Bibliothek steckt so viel mehr, als das Auge zunächst sieht. Ein bisschen wie bei einem Ü-Ei. Es ist eben nicht nur das Ausleihen und Zurückstellen von Büchern, sondern auch Öffentlichkeitsarbeit, Schulungen, Medien zu bestellen, Rechnungen zu bearbeiten, älteren Bestand in die digitale Bibliothekssoftware zu erfassen und noch vieles mehr.
Seit Beginn meiner Ausbildung hat sich meine Begeisterung für den Beruf stetig gesteigert. Mittlerweile empfehle ich nahezu jeder Person (mit egal welcher Berufsqualifikation), einen Job in einer Bibliothek anzufangen.
Nach ca. 4 Jahren in dem Beruf kann ich mit Sicherheit sagen:
Ich habe definitiv meinen Traumberuf gefunden.
Hier mehr über die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin erfahren.
Bildnachweis Beitragsbild Lara Senst: © Alex Spur
Persönliche Erfahrungen.
An meiner Arbeit schätze ich vor allem die Vielfältigkeit meiner Aufgaben, den Kontakt zu den Nutzenden und die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen sowie kreativ zu arbeiten.
Ich freue mich immer sehr, wenn eine Person zu mir an die Servicetheke kommt und zu einem Thema Literatur sucht oder das erste Mal in der Bibliothek ist und sich noch nicht so gut mit dem Bibliothekskatalog auskennt oder weiß, wie man die Literatur findet, die man braucht. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man Menschen unterstützen kann und diese dankbar für die Hilfe sind.
Ein Moment, auf den ich immer noch gerne zurückblicke, war als ich eine Führung durch die Bibliothek leitete und danach zwei Mädchen voller Eifer fragten, ob ein freiwilliges Praktikum in der Bibliothek möglich wäre. Das hat mir gezeigt, wie wertvoll meine Arbeit ist.
Sinnstiftung & Mehrwert.
Ich finde es sehr wertvoll, dass Bibliotheken Orte sind, an denen sich alle Menschen Wissen jeglicher Art aneignen können. In öffentlichen Bibliotheken finde ich sowohl Koch- und Handarbeitsbücher als auch Belletristik und Bücher über Flugzeuge. Nicht zu vergessen sind die vielen anderen Medien wie DVDs, CDs, Mangas sowie Spiele für verschiedene Konsolen usw.
Bibliotheken leisten außerdem einen Beitrag zum nachhaltigen Handeln. Wenn ein Buch nicht gefällt, bringt man es wieder zurück und eine andere Person kann es lesen. Zudem können auch Menschen ohne umfassende finanzielle Mittel eine Bibliothek besuchen und die Medien dort nutzen. Quasi: „Ein Ort, an dem Du nichts kaufen musst – und trotzdem bleiben darfst.“ (Instagram-Post der Stadtbibliothek Chemnitz vom 17.03.2026). In den wissenschaftlichen Bibliotheken der Freien Universität Berlin können Studierende und auch externe Personen aller sozialen Schichten die teils sehr teure Fachliteratur ausleihen und nutzen. Die Bibliothek ist somit ein wichtiger Bestandteil des Studiums und sichert allen Studierenden ähnliche Chancen, an das notwendige Wissen zu gelangen und das Studium erfolgreich abzuschließen.
Empfehlungen.
Meiner Meinung nach kann jede Person eine passende Tätigkeit in einer Bibliothek finden. Personen, die ruhige und detaillierte Aufgaben mögen, kommen in der Erwerbung auf ihre Kosten. Für Personen, die gerne Kontakt mit Menschen haben, ist die Servicetheke und alle Arbeiten rund um den Nutzendenbetrieb geeignet. Bastler können sich bei der technischen Medienbearbeitung oder bei Buchreparaturen ausleben. Und technikaffine Personen können neue technische Ausstattungen testen oder Einblicke in die Welt der Bibliothekssysteme bekommen.
Auch Quereinsteiger haben in der Bibliothek gute Chancen, sich zu etablieren. Sie bringen zudem meist einen anderen Blickwinkel und frische Ideen mit, was für das Team sehr hilfreich sein kann. Beispielsweise sind Personen aus der Informatik oder mit einem technischen Beruf als Hintergrund wertvoll, da sie oft an die technische Ausstattung und die damit verbundenen Schwierigkeiten **anders** herangehen. Sie denken teilweise an andere Möglichkeiten, bringen eine Faszination, Hartnäckigkeit und unfassbare Geduld bei diesen Themen mit.
Teamarbeit und Kommunikation sind in meiner Abteilung (Benutzungsabteilung) enorm wichtig. Wir müssen uns als Service-Team verständigen und eine Linie fahren. Es ist beispielsweise wichtig, dass jedes Team-Mitglied die Benutzungsregeln der Bibliothek auf die gleiche Weise durchsetzt. Ebenso ist es für uns notwendig, dass wir möglichst **vieles** rund um die Bibliothek mitbekommen. Und damit sind nicht nur alle internen Abläufe, die Räumlichkeiten und Benutzungsmodalitäten der Bibliothek gemeint. Wir sind auch Ansprechpartner für die Umgebung (z. B. wo ist die nächste Mensa oder der nächste Validierungsautomat).
Entwicklungen & Zukunftsaussichten.
Ich denke, dass sich Bibliotheken zukünftig eher darauf fokussieren werden**,** der Öffentlichkeit unterschiedliche Räume zur Verfügung zu stellen und verschiedene Schulungsformate anzubieten. Gerade Kurse zu bestimmten DIY-Tätigkeiten wie Nähen, einfache Reparaturen usw. werden schon oft in öffentlichen Bibliotheken angeboten. Genauso gibt es in wissenschaftlichen Bibliotheken Schulungen, die Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten unterstützen. Online-Angebote wie E-Books, E-Zeitschriften, Datenbanken und auch KI werden vermutlich an Bedeutung weiterwachsen.
Gerade angesichts der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich werden wir Bibliotheken in naher Zukunft mehr denn je brauchen.
Ich könnte mir vorstellen, dass noch zu wenig Menschen das volle Potenzial von Bibliotheken kennen und ausschöpfen. Ich hoffe daher, dass in Zukunft Bibliotheken als Orte der Chancen und des Potenzials gesehen werden. Bibliotheken sind eh immer da und für alle Menschen offen. Warum das nicht nutzen?




